Aus aristotelischer Sicht würden KI-Agenten nicht als handelnde Subjekte im vollen Sinn gelten, da ihnen phronesis (praktische Vernunft), Intentionalität und ein auf Tugend ausgerichteter Charakter fehlen. Aristoteles würde KI eher als hochentwickelte Werkzeuge (organa) verstehen, deren ethischer Wert sich aus ihrem Zweck (telos) und ihrem Beitrag zum guten Leben des Menschen ergibt – nicht aus eigener moralischer Verantwortung.
Platon würde KI-Agenten vermutlich als Teil der sinnlich-technischen Welt (doxa) einordnen, nicht als Träger von Erkenntnis (epistēmē). Sie können Abbilder von Wissen erzeugen, bleiben jedoch vom Bereich der Ideen ausgeschlossen. In der Höhlengleichnis-Logik wären KI-Antworten eher Schatten von Schatten – nützlich, aber potenziell irreführend, wenn sie mit Wahrheit verwechselt werden.
Sokrates würde KI-Agenten nicht nach ihren Antworten beurteilen, sondern nach den Fragen, die sie ermöglichen oder verhindern. Da KI selbst kein Nicht-Wissen eingestehen kann, fehlt ihr die sokratische Haltung. Dennoch könnte sie als dialogisches Werkzeug dienen, um Menschen zur Selbstprüfung anzuregen – vorausgesetzt, sie ersetzt nicht das eigene Denken, sondern provoziert es.
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